Homepage Frank Hoffmann - Sprecher für Verkehrspolitik - Landtagswahlkreis 27-Dessau-Roßlau-Wittenberg

Mit dem Ausschuss für Wirtschaft und Wissenschaft vor Ort

Am 15. September tagte der Ausschuss für Wirtschaft und Wissenschaft im Unternehmen F-Glass in Osterweddingen bei Magdeburg. Dieses Werk stellt hochwertige und sehr reine Glasflächen her, die unter anderem auch in der Solarindustrie verwendet werden. Das hierbei modernste technologische Verfahren zum Einsatz kommen, ist augenscheinlich. Die Beschäftigten arbeiten in einem variablen Schichtsystem und das auch bei guter Bezahlung. Mit einer Spezialisierung auf die Glasindustrie, denn es gibt noch eine weitere Firma Euro-Glass, befinden sich ca. 30 % der Flachglas-Industrie in Sachsen-Anhalt. Was mich viel mehr beeindruckte, war die anschließende Besichtigung des Gewerbegebietes. Ein Gebiet mit beeindruckender Ausdehnung und einer hohen Zahl auch anderer Ansiedlungen. Das ist soweit ja auch gut und effizient. Es gibt aber, ob der Größe des Gebietes, auch noch gute und großflächige Ansiedlungsmöglichkeiten darüber hinaus. Es wurde deutlich, mit wieviel Engagement hier die Landesregierung mit ihren Institutionen die Ansiedlungspolitik begleitet. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, wie schwer es andere Regionen im Wettbewerb um die Ansiedlung von Unternehmen jeglicher Art dabei haben. In der Diskussion bemerkte ein Vertreter des Landes, dass sich die interessierten Unternehmen weitgehend im Umfeld der Oberzentren ansiedeln weshalb Magdeburg und ebenso Halle dabei hervorstechen. Ich konnte mir deshalb nicht den Hinweis ersparen, dass es ja noch ein drittes Oberzentrum gibt, welches allerdings ein Flächenproblem, ob des hohen Anteils an naturschutzbedingt gesperrten Flächen, hat. Dass es hier einer strukturierten Begleitung bedurft hätte, als es beispielsweise darum ging die Gewerbeflächen im Dessorapark zu vermarkten und hier die Städte Dessau und Oranienbaum zu unterstützen, am besten durch eine sinnvolle und funktionelle Gebietsreform und damit gemeinsames Flächenmanagement. Das ist alles Geschichte. Dessau-Roßlau ist eine Stadt mit erheblichen demographischen Problemen. Der Überalterung etwas entgegen zu setzen, braucht es aber vor allem Chancen für junge Menschen und damit auch gerade Arbeitsplätze. Das hat die Landespolitik versäumt und auch die neuerlichen Erfolge beim Pharmapark in Rodleben kompensieren die Defizite der vergangenen Jahre nicht. Dessau-Roßlau wird es schwer haben mit Gebieten wie Osterweddingen mitzuhalten. Die Versäumnisse liegen aber auch in der Stadt selbst. Die Orientierung des erste Bürgermeisters nach der Wende, Dr. Jürgen Neubert, auf eine Stadt der Verwaltung, Behörden und Ämter, hat der Etablierung als Industriestandort geschadet. Auch hat die Art der regionalen Kommunikation, wie sie der OB Hans-Jürgen Otto pflegte, oft mehr Porzellan zerschlagen, als Kräfte wirklich gebündelt. Dass die Region bei der Gebietsreform Dessau nicht unterstützt hat, war die Folge. Das ist eine Last die nur schwer abzutragen ist und ein langes, sehr langes gemeinsames Handeln der Abgeordneten im Landesparlament bedarf. Dass wir mit vielen unserer Diskussionen und Argumenten als Linke Recht behalten haben, ist zwar ein Indiz für unsere politische Weitsicht, aber im Ergebnis trotzdem betrüblich, ob der Folgen eines kleinkarierten politischen Wettbewerbs hier vor Ort, aber auch im Land. Während wir uns hier um Kirchturmpolitik gestritten haben, und die Linken ja oft nicht Recht haben durften weil nicht sein kann, was nicht sein darf, haben uns andere Regionen überholt. Umso schlimmer ist es, dass der jetzige Amtsinhaber auch eher die Rolle eines Moderators in der regionalen Planungsgemeinschaft hat, statt treibende Kraft zu sein. Wenn sich unsere Verwaltungsspitze streitet, egal ob untereinander oder mit anderen, sind die lachenden Dritten immer andere. Wir dürfen gespannt sein, ob es den Verantwortlichen gelingt, das bevorstehende Anhalt-Jubiläum zu nutzen, einen selbstbewussten Hut in den Ring zu werfen und der Welt die eigentlich immer noch vorhandeneSubstanz (Bauhaus, Hochschule Anhalt, UBA u. a.) einer Stadt und ihres Umfeldes zu präsentieren und gegen den jetzigen Trend erfolgsorientierter anzukämpfen. Gemeinsam sind wir stark, klingt zwar platt, ist aber immer noch richtig, heute existenziell mehr denn je.

                                                                                                                                                       Frank Hoffmann